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Geschrieben von büffeljohann am 29.12.2025 um 15:24:

  RE: Büffel Laderaupe BL 130 Restauration

weiter geht´s mit Teil 9

Die Dichtungen auswechseln war prinzipiell kein Problem bis auf das Gefummel mit der Flachdichtung im Innern der Führung für den kleinen Stempel. Die Korrosionsspuren im Gehäuse vom großen Stempel wollte mit Nassschleifpapier wegschleifen, was auch gut funktioniert hat. Dadurch wird der Innendurchmesser des Gehäuses aber um ein paar Hundertstel Millimeter größer. Passt dann die neue Dichtung noch oder ist die zu klein? Jetzt kommt das kleine Loch im großen Stempel ins Spiel. Trifft die Druckluft auf den großen Stempel, dann geht sie auch durch das kleine Loch in die Nut für die Flachringdichtung und drückt die Flachringdichtung dann von hinten nach außen und diese dichtet dann zum Gehäuse hin ab. Clever gemacht von Knorr, vielleicht sogar im weiser Voraussicht, dass man das Ventil nach 50 Jahren gelegentlich überholen muss.
Nachdem das Relais-Ventil wieder zusammen- und eingebaut war, war beim nächsten Drucktest kein Pfeifen oder Rauschen mehr zu hören. Ich habe dann auch mal den Schalthebel nach vorn und nach hinten bewegt, um zu sehen, ob das Schaltventil auch geht. Beim Vorwärtsgang habe ich dann ein ganz leises Blubbern von ganz unten gehört. Das muss wohl aus dem Getriebe kommen. Wenn der Schalthebel auf „Vorwärtsgang“ steht, dann gibt das Schaltventil für die Druckluft den Weg zum Getriebe frei. Die Druckluft strömt in einen Zylinder im Getriebe, der ausfährt und dadurch das Bremsband für den Vorwärtsgang schließt und die Raupe fährt nun vorwärts. Wenn´s dann im Getriebe blubbert, dann könnte das ein Hinweis darauf sein, dass die Dichtung vom Druckluftzylinder für das Vorwärtsgang-Bremsband undicht ist, die Luft aus dem Zylinder entweicht und durch das Getriebeöl in das Gehäuse vom Getriebe strömt, was das Blubbergeräusch verursacht. Dann müsste ich noch das Getriebe aufmachen, die Druckluftzylinder ausbauen und die Dichtungen (am besten für beide Zylinder) erneuern. Unter dem Carport wäre diese Reparatur schwierig gewesen, weil ich auf dem unebenen Untergrund mit dem Rollbrett ganz schlecht drunter gekommen wäre. Außerdem wollte ich jetzt einfach überprüfen, ob die Raupe wieder fährt, ohne Druck zu verlieren und deshalb habe ich die Abdichtung der Druckluftzylinder im Getriebe erst mal verschoben. Also habe ich Batterien angeschlossen, den Zündschlüssel reingesteckt und den Startknopf gedrückt…und der Motor startete nicht. Auch nach mehreren Versuchen schwieg der MWM D 232 V6 beharrlich.
Fortsetzung folgt!



Geschrieben von büffeljohann am 29.12.2025 um 15:30:

  RE: Büffel Laderaupe BL 130 Restauration

und Teil 10

Was ist da los? Ungefähr 4 Monate vorher, als ich die Raupe nach 3 Jahren Standzeit ausgepackt hatte, startete der Motor beim ersten Druck auf den Startknopf. Wenn MWM-Motoren nicht starten wollen, dann bekommen sie keinen Diesel und wenn sie keinen Diesel bekommen, dann liegt es (bei Büffel-Raupen) mit 99% prozentiger Wahrscheinlichkeit daran, dass der Grobfilter im Tank verstopft ist. Schon merkwürdig, dass der Filter innerhalb von 4 Monaten dicht ist, aber letztlich nicht ausgeschlossen. Vielleicht war er ja vorher noch zu 20% durchlässig und durch das weitere Stehen ist er vollends verstopft. Wenn ihr jetzt mit „Dieselpest“ kommt, muss ich euch enttäuschen. Dieselpest, also Bakterien, die sich in feuchtem Diesel vermehren und vom Bioanteil im Diesel ernähren, verursachen bräunlichen „Glibber“, der sich über die gesamte Kraftstoffanlage ausbreitet, also letztlich bis zu den Einspritzdüsen und es ist extrem mühsam und aufwändig, alles zu reinigen. Bei meinen alten Büffel habe ich aber noch nie solche Probleme gehabt. Es ist immer nur der Filter im Tank, der durch eine klebrige braune Masse verstopft. Das „Zeugs“ löst sich aber gut in Nitroverdünnung/Pinselreiniger oder auch in Aceton (was bei Dieselpest nicht der Fall ist!) und entsteht durch die sehr langsame Reaktion von Diesel mit Luftsauerstoff, der im Diesel gelöst ist. Da Sauerstoff O2 ein Diradikal ist, kann es Kohlenwasserstoffe, wie sie im Diesel vorkommen, langsam bei Raumtemperatur radikalisch oxidieren. Dadurch wird der im Diesel gelöste Sauerstoff verbraucht, wird aber aus der im Tank über dem Diesel stehenden Luft wieder nachgeliefert. Der Diesel nach dem Grobfilter ist praktisch frei von Sauerstoff, so dass da die Oxidation nicht ablaufen kann. Durch die radikalische Oxidation entstehen überwiegend Alkohole (überwiegend secundäre und tertiäre, ganz wenig primäre), zu einem geringeren Anteil auch Ether und in noch geringeren Mengen auch Epoxide, Aldehyde, Ketone und Carbonsäuren und in vernachlässigbaren Mengen auch Peroxide. All diese Substanzen sind polarer als die Kohlenwasserstoffe im Diesel und scheiden sich deshalb ab und setzen sich als klebriges Material auf die innere Tankoberfläche und –bei Büffel-Raupen– auch auf dem Filter im Tank ab und nach einiger Zeit ist der dann dicht.
Ein typischer Vertreter eines Kohlenwasserstoffs im Diesel ist n-Hexadecan C16H34 (Trivialname Cetan, deshalb gibt die Cetanzahl von Diesel auch den Gehalt an n-Hexadecan an). Am Beispiel von n-Hexadecan beschreibe ich mal für Interessierte die Bildung der oben genannten Substanzen als angehängtes Dokument (Beschreibung der langsamen Oxidation der Bestandteile von Diesel-Kraftstoff durch Luftsauerstoff).
Jetzt weiter mit dem verstopften Filter im Tank. Prinzipiell kann man den abschrauben und mit dem Haken nach ober rausziehen, wenn der Tank leer ist und man vorher den Einfüllstutzen vom Tank abgebaut hat. Eben nur „prinzipiell“. Wenn der Filter nicht nur durch das klebrige Zeugs verstopft ist, sondern auch noch festgeklebt ist, dann hat man keine Chance. Vor allem kam ich nur mit den Fingerspitzen an die Verschraubung des Filters und hatte dann in den Fingerspitzen keine Kraft mehr, da ordentlich Drehmoment draufzugeben. Mit einer Zange kommt man da auch schlecht hin, weil die Öffnung vom Tank zu klein für zwei Arme ist. Ich habe versucht, das Teil mit dem Haken (vgl. Fotos) rauszuschrauben, aber da verbiegt sich eher der Haken als dass sich was bewegt. Also hilft nur, den Filter und die Verschraubung mit Aceton oder Nitroverdünnung zu spülen und über Nacht einzuweichen. Während der Filter schnell wieder frei war, konnte ich den Filter auch nach zwei Nächten Einweichen nicht von Hand heraus schrauben. Schließlich habe ich eine Gerüststange (vgl. Foto) genommen, den Haken eingehakt und gedreht und mit sanfter Gewalt hat sich dann auch die Schraube, mit der der Filter befestigt war, gelöst. Ich hab den Filter dann nochmal gründlich gereinigt und wieder eingebaut. Diesel wieder eigefüllt, komplette Diesel-Leitung wieder entlüftet, Batterien angeschlossen, Startknopf gedrückt und…
Fortsetzung folgt!



Geschrieben von büffeljohann am 29.12.2025 um 15:36:

  RE: Büffel Laderaupe BL 130 Restauration

zwei hab ich noch

…Motor läuft. Das war schon mal erfreulich. Dann konnte ich mich jetzt der vmtl. festgerosteten linken Lenkkupplung widmen. Doch dazu später mehr.
Dass das mit dem Tankfilter suboptimal ist, haben auch die Konstrukteure von der MKW erkannt. Deshalb gab es bei den neueren BL 130 einen verbesserten Tank, bei dem man nach Ablassen vom Diesel den Filter nach unten herausschrauben konnte. Bei den Büffel-Raupen, die ab 1970 gebaut wurden (BL160, BL200, BL201, BL140, B140, B180, B200), war der Tank neu konstruiert worden und auf ca. halber Höhe auf der Seite vom Tank, die dem Fahrersitz zugewandt ist, wurde eine Öffnung mit Flanschdeckel angebracht, durch die man nach Ablassen vom Diesel den Filter bequem erreichen und leicht ausbauen und reinigen oder durch einen neuen ersetzen konnte (Fotos).
Nachdem der Motor wieder lief, bin ich unter dem Carport rausgefahren und hatte ein wenig Hoffnung, dass durch den nun stabilen Luftdruck in der Anlage auch die linke Lenkkupplung auf geht. War leider nicht der Fall. Vermutlich war die festgerostet, aber so genau wusste ich das da noch nicht. Lenkkupplung ausbauen und wieder gangbar machen wäre eine „große OP“ gewesen (Raupe von hinten her bis zum Armaturenbrett abbauen, Kette aufmachen und Laufwerkskasten entfernen, Seitenantrieb abbauen, Gehäuse vom Quertrieb aufmachen und dann linke Lenkkupplung rausholen, zerlegen, gründlich reinigen und dann alles wieder zusammenbauen), die ich erst mal vermeiden wollte. Also erst mal Brainstorming, was man als einfache Maßnahme machen könnte. Eine Möglichkeit wäre gewesen, das Gehäuse von der Lenkkupplung mit Rostlöser füllen, abwarten, dann Rostlöser wieder absaugen, gründlich mit einem leichtflüchtigen Lösungsmittel (nur kein Wasser, sonst rostet es ja gleich wieder) nachspülen und dann hoffen das die Lenkkupplung wieder auf geht. Das hätte mindestens 10-20 Liter Rostlöser (alternativ Coca Cola, verdünnte Phosphorsäure oder gebrauchte Bremsflüssigkeit) erfordert und diese „Materialschlacht“ wollte ich mir gern ersparen. Die zweite Möglichkeit war, jemanden zu fragen, der das Problem kennt und eine einfache Lösung parat hat. Alle damaligen MKW-Außendienstmitarbeiter kann man leider nicht mehr fragen, aber derjenige, der das konstruiert hat, sollte vielleicht eine Lösung für das Problem kennen. Und so war´s dann auch. Rüdiger Kiener konnte mir schnell weiter helfen und das war die einfachste Variante, die Lenkkupplung wieder auf zu bekommen. Man fährt mit der Raupe ganz sanft mit der Schaufel gegen ein schweres Hindernis, zieht dann beide Lenkkupplungshebel so zu sich, dass theoretisch beide Lenkkupplungen auf sein sollten. Dann gibt man langsam Gas. Das Drehmoment aus dem Getriebe wird dann vollständig über die festgerostete linke Lenkkupplung übertragen und die linke Kette rutscht dann durch und wenn man dann vorsichtig immer mehr Gas gibt, dann reißt die Rostschicht zwischen den einzelnen Kupplungsscheiben und die linke Kette bleibt nun auch stehen. In meinem Fall habe ich mich für den BL 130-Ersatzteilspender als schweres Hindernis entschieden und nach Abstützen mit der Schaufel am Laufwerkskasten und feinfühligem Gas geben ging dann bei ausgekuppelten Lenkkupplungen die linke innerhalb von weniger als einer Minute auf. Ich hab die linke Lenkkupplung und die linke Lenkbremse (vgl. Foto) dann noch neu eingestellt und damit war die Sache erledigt. Das war wirklich die einfachste Lösung des Problems und man kann da auch nichts kaputt machen, weil die einzelnen Kupplungsscheiben so dick sind, dass sie das aushalten und der Abstand der Kupplungsscheiben im offenen Zustand nur 0,5 mm beträgt. Da gibt´s auch keinen Platz zum Verbiegen der Scheiben.
Fortsetzung folgt!



Geschrieben von büffeljohann am 29.12.2025 um 15:40:

  RE: Büffel Laderaupe BL 130 Restauration

einen hab ich noch...

In der BA und der ETL gibt´s noch Zeichnungen von der Lenkkupplung und der Lenkbremse.
Danach bin ich dann noch eine Stunde bei mir auf dem Gelände rumgefahren und habe unterhalb vom Carport das Gelände ein wenig eingeebnet. Leider gibt´s keinen Film davon, weil ich bei der ganzen Aktion keinen Kameramann (und auch keine Kamerafrau!) dabei hatte. Die Kamera auf ein Stativ schrauben und dann filmen hätte nichts gebracht, weil ich immer wieder aus dem Bild gefahren wäre.
Nachdem ich also die BL130 wieder richtig warm gefahren habe, habe ich nach dem Abstellen der Raupe den Druck in der Druckluftanlage beobachtet. Alles dicht und konstant bei knapp 5,5 bar. Ich habe dann spaßeshalber nochmal den Schalthebel nach vorn gelegt, um zu hören, ob es immer noch aus dem Getriebe blubbert. Aber da war nichts mehr und auch nach mehrmaligen hin- und her bewegen von vorn nach hinten und wieder zurück konnte ich kein Blubbern aus dem Getriebe hören. Das würde ja bedeuten, dass aus dem Druckluftzylinder für den Vorwärtsgang jetzt keine Luft mehr durch das umgebende Getriebeöl blubbert. Merkwürdig, aber vielleicht hat sich die Dichtung des Druckluftzylinders durch das warmfahren ausgedehnt und ist jetzt dicht. Ich muss das im kalten Zustand nochmal überprüfen und dann ggf. doch das Getriebe aufmachen. Aber dann erst nächstes Jahr.
Dann habe ich meiner BL 130 noch neue Faltenbälge spendiert, einen für den Schalthebel und einen für die Hydrauliksteuerung, die alten waren schon an mehreren Stellen gerissen, total hart und verzogen. Im neuen Jahr gibt´s noch ein paar Schönheitsreparaturen und dann bekommt sie ein neues Verdeck wie es auch die BL 100 hat. Mit Verdeck ist der Einstieg auf den Fahrerplatz viel besser als mit dem Fahrerhaus.
Zwei Wochen später haben mich zwei Büffel-Fans besucht und bei der Gelegenheit habe ich die BL 130 dann vorgeführt und die beiden haben gefilmt, was das Zeug hielt. Martin Schreiner hat mir seine Filme zur Verfügung gestellt (herzlichen Dank dafür!) und ich habe sie zu einem kurzen Film zusammengeschnitten, wo man dann gut erkennen kann, dass sowohl Lenkung als auch Druckluftanlage wieder so funktionieren, wie es sein soll. Hier gibt´s noch ein Video, nachdem alles funktioniert.

https://youtu.be/zcgXkNlVoyo

Für dieses Jahr ist jetzt Schluss. Freut euch auf´s nächste Jahr, wenn der Bericht dann weiter geht.
Viele Grüße und allen Forumsmitgliedern einen guten Rutsch nach 2026
Büffeljohann


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